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Pressestimmen

Econ Verlag

Amazon.de, März 2006:

Endstation Rücktritt haben die beiden Journalisten Pascal Beucker und Frank Überall ihre glänzend recherchierte, überzeugend gegliederte und flüssig geschriebene Sittengeschichte politischer Rücktritte überschrieben. Zwar gibt es zahlreiche Beispiele für das Gegenteil (auch in diesem Buch), doch markiert der Rücktritt für manchen Politiker wirklich das endgültige Aus der politischen Karriere. Zum Glück! möchte man ausrufen, wenn man etwa an den ostdeutschen Wendepolitiker Günther Krause denkt, den Helmut Kohl einige Zeit und doch viel zu lange als Verkehrsminister dilettieren ließ. In kürzester Zeit verstrickte sich der egomane Schnellkursdemokrat aus dem Osten in eine schier unüberschaubare Zahl von Affären, die seinen Rücktritt schließlich unausweichlich machten. Krauses Rücktritt war zugleich der Anfang seines auch persönlichen Abstiegs: Auch als Geschäftsmann verstrickte er sich immer weiter in den Fallstricken einer schon pathologisch anmutenden Selbstüberschätzung.

Den Fall Krause haben die beiden Autoren unter der Überschrift "Tief gefallen" rubriziert. Neben solchen enthält ihre gelungene "Phänomenologie des Rücktritts" eine Reihe weiterer Kategorien. So auch jene der "Aufrechten", die aus politischer Überzeugung zurücktreten, weil sie den Kurs ihrer Regierung nicht mehr mitverantworten zu können meinen. Ein Beispiel dafür ist Gustav Heinemann, der sich als CDU-Minister erfolglos gegen Adenauers Politik der Wiederbewaffnung stellte, deshalb zurücktrat, später in der SPD reüssierte und als Bundespräsident "der besonnene Sprecher einer notwendigen inneren Liberalisierung der Bundesrepublik" wurde.

Entlang unzähliger weiterer, klug nach Motiven, Ursachen und Stil geordneter Rücktritte, gewinnen die Autoren eine ganz eigene Perspektive auf die Zeitgeschichte und die politische Kultur der Bundesrepublik. Ein Exkurs über "Rücktritte im Ausland" und eine tabellarische Übersicht von Ministerrücktritten in Bund und Ländern samt ihrer Gründe runden den lesenswerten Band gelungen ab!  -  Andreas Vierecke

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Berliner Morgenpost, 19. März 2006:

Amigo & Cleverle

Die Idee ist so gut wie naheliegend: eine Geschichte der Bundesrepublik in Demissionen. Die Journalisten Pascal Beucker und Frank Überall wagen sich an eine "Phänomenologie des Rücktritts" und fördern aus dem Zettelkasten der Zeitungsarchive erstaunliche, verschüttet gewähnte Anekdoten zutage - vom aufrechten Gustav Heinemann bis zum rechtskräftig verurteilten Jochen Wolf, von allerlei "Amigos" bis zu verschiedenen "Cleverles", vom "Ehrenwort" des Uwe Barschel bis zum - in der Geschichte der Bundesrepublik einzigartigen - Fall des Rudolf Scharping, der die Gelegenheit zum Rücktritt verstreichen ließ und daraufhin von Bundeskanzler Schröder entlassen wurde. Alles das und vieles mehr schildert "Endstation Rücktritt" flüssig, gut geschrieben und häufig pointiert formuliert. Die beiden Autoren sparen jedoch auch nicht mit Kritik an der eigenen Zunft: Tatsächlich berichten Medien eher über Belastendes als über Entlastendes und erliegen mitunter ihrem Jagdfieber. Insgesamt bietet der Band eine Reihe von Dejà-vus, wenn auch mit manchmal etwas einseitigen Wertungen.

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Bietigheimer Zeitung, 24. April 2006:

Rücktritte unter der Lupe

Die "Kleine Phänomenologie des Rücktritts" ist eine verdienstvolle Arbeit. Sie zeigt, wie vielfältig die Gründe dafür sein können, dass politische Amtsinhaber demissionieren (müssen).

Allerdings muss man nicht unbedingt die Klassifizierung teilen, die das Buch vorgibt. So findet sich zum Beispiel der ehemalige SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine unter der Rubrik "Die Aufrechten - Rücktritt aus Überzeugung" in einer Reihe mit der Bürgerrechtlerin Marianne Birthler (Grüne), die einst aus Protest gegen die ihrer Meinung nach unzureichende Vergangenheitsbewältigung des SPD-Ministerpräsidenten Manfred Stolpe aus dem brandenburgischen Kabinett ausschied. Und was hat die von seinen Genossen als Fahnenflucht empfundene Nacht-und-Nebel-Aktion Lafontaines mit dem ehrenwerten Protest der früheren Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) gegen den "großen Lauschangriff" zu tun?

Da leuchtet schon mehr ein, wenn Willy Brandt (SPD), Gerhard Stoltenberg und Rudolf Seiters (beide CDU) in einem Atemzug als Beispiele dafür genannt werden, dass jemand die Verantwortung für das Versagen anderer übernimmt und geht. So unterschiedlich die Fälle auch waren, so häufig kehren Verhaltensmuster im Umfeld von Rücktritten wieder: der Versuch, eigene Schuld zu leugnen oder zu vertuschen, das Drängen einflussreicher Freunde oder politischer Gegner, die Rolle der Medien als Beschleuniger von Abstürzen. Und nicht immer geht mit dem Amtsverzicht das Ende einer Karriere einher, wie etwa das Beispiel Gustav Heinemann zeigt. - GHA

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Börsen-Zeitung, 13. Februar 2007:

Freiwillige und unfreiwillige Rücktritte

Gustav Heinemann, Gerhard Stoltenberg, Lothar Späth, Jürgen Möllemann: Sie alle eint der Rücktritt von politischen Ämtern, freiwillig oder unfreiwillig. Pascal Beucker und Frank Überall haben mit "Endstation Rücktritt" erstmals die Geschichte politischer Rücktritte in der Bundesrepublik geschrieben. Die beiden Journalisten schildern spektakuläre und weniger spektakuläre Amtsaufgaben, erzwungene und solche aus freien Stücken - und die Geschichte dahinter. Was hat den Politiker zum Verzicht bewogen? Was ist damit ausgelöst worden? Wer "macht" Rücktritte, und welche Akteure spielen in den entsprechenden Diskussionen eine Rolle?

Auch ein Sittengemälde

In "Endstation Rücktritt" unterscheiden Beucker und Überall etwa die "Aufrechten", die aus Überzeugung zurücktreten, von den "Verantwortlichen", die nach dem Versagen anderer die Ämter niederlegen, und den "Skandalösen", mit deren Rücktritt noch nicht alles erledigt ist. Interessant ist natürlich auch das Kapitel über die "begehrten" Politiker, bei denen das Private politisch geworden ist. Hier wird besonders deutlich, dass die Geschichte der Rücktritte auch ein Sittengemälde ist, denn über außereheliche Beziehungen - solange sie nicht ins Berufliche hereinragen - oder "falsche" sexuelle Orientierungen stolpert heute kein Politiker mehr. Nach Ansicht der beiden Autoren sind die Medien heute nicht kritischer und investigativer als in den vergangenen Jahrzehnten. Das Aufkommen privater Fernseh- und Rundfunksender habe keine nennenswert aggressivere Politikberichterstattung zur Folge gehabt, Skandale würden nach wie vor insbesondere durch Printmedien offengelegt, heißt es. Die Journalisten seien aber schneller geworden, Informationen etwa über Nebeneinkünfte von Abgeordneten seien heute über das Internet rascher verfügbar. Beucker und Überall liefern ein unterhaltsam und kenntnisreich geschriebenes Kompendium der Rücktritte und rufen so manchen vermeintlich vergessenen Politiker zurück ins Gedächtnis. Die Geschichten machen aber auch deutlich, dass der Rücktritt für viele eben doch keine Endstation ist. - amb

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Buchprofile - Medienempfehlungen für die Büchereiarbeit, Nr. 3 / 2006:

Die Autoren differenzieren zunächst die verschiedenen Formen des Karriere-Endes von Poltikern. Sie unterscheiden freiwillige und erzwungene Rücktritte. Da die freiwilligen eher selten vorkommen, ist dieser Bereich schnell abgehandelt. Entschieden vielfältiger sind die Grüne und Anlässe für unfreiwillige "Rücktritte". Ob es sich hier um die braunen oder auch die Stasi-Schatten handelt, die den Politiker einholen, oder auch die Übernahme politischer Verantwortung ohne eigenes Verschulden bis hin zum Rausschmiss, die Autoren erklären alle Facetten sehr verständlich. Danach kommen "Fallbeispiele", wie der Rücktritt aus Überzeugung eines Gustav Heinemann, Rücktritte, die auf dem Versagen anderer basieren, wie z.B. der von Willy Brandt nach der Guillaume-Affäre. Einen breiten Raum nehmen die Fälle der guten "Nehmerqualitäten" ein (z.B. der CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer). - Für Büchereien mit zeitgeschichtlich interessierten Lesern sehr zu empfehlen. - Gerd Fleder

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Cicero, Februar 2006:

(...) Der Abschied von der Regierungsmacht: Für viele Minister kam er früher – und anders – als erwartet. 180 Männer und Frauen haben zwischen 1949 und Herbst 2005 ein Ministeramt auf Bundesebene ausgeübt, 72 von ihnen sind – freiwillig oder unfreiwillig – zurückgetreten, fünf im Laufe ihrer politischen Karriere sogar zweimal. Anders gesagt: Weit mehr als ein Drittel aller Minister hat sein Amt vorzeitig niedergelegt. Ob und wann ein Minister zurücktritt, hängt nicht zuletzt von der komplizierten Machtbalance innerhalb der eigenen Partei ab. Darauf weisen Pascal Beucker und Frank Überall in ihrem Buch „Endstation Rücktritt. Wenn deutsche Politiker einpacken“, das Mitte Februar im Econ-Verlag erscheint, hin. (...)

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Das Parlament, 21. August 2006:

Die politische Verantwortung

Geschichte der Rücktritte in der Bundesrepublik

Von Jörn Fischer

Was haben ein Einkaufswagenchip und ein Panzer gemeinsam? Sie gaben Anlass zu Rücktritten von Mitgliedern der Bundesregierung. Jürgen Möllemann stolperte 1993 als Wirtschaftsminister über die Briefbogenaffäre: Auf ministeriellem Briefpapier pries er das "pfiffige Produkt" eines angeheirateten Vetters an. Und Gerhard Stoltenberg wurde ein Jahr zuvor der durch sein Ministerium nicht unterbundene illegale Panzerexport in die Türkei zum Verhängnis.

Dies sind nur zwei Demissionen, die Pascal Beucker und Frank Überall in ihrem Buch "Endstation Rücktritt" behandeln. "Warum deutsche Politiker einpacken", so der Untertitel, möchten die beiden Journalisten in ihrem gut 300 Seiten starken Werk ergründen. Die Frage nach dem Warum ist berechtigt. Warum tritt Rudolf Seiters nach der tödlichen RAF-Fahndungspanne von Bad Kleinen als Innenminister zurück, während die auch zuständige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hingegen im Amt bleibt? Warum übersteht Hessens Ministerpräsident Roland "Teflon" Koch den Schwarzgeld-Skandal der Landes-CDU ohne Amtsverlust, während sein baden-württembergisches Pendant Lothar Späth nach einer "Traumschiff-Affäre" zurücktritt? Und warum ist die Frage nach dem Warum eigentlich so schwierig zu beantworten?! In Deutschland gibt es keine formalen Regeln darüber, in keinem Gesetz und in keiner Geschäftsordnung, wann ein Politiker seine Ämter aufzugeben hat. Diese banale Tatsache lässt Spekulationen über die Konsequenzen, die ein Politiker aus einem Fehltritt zu ziehen hat, breiten Raum.

Um es vorwegzunehmen: Die diffizile Frage nach dem Warum kann auch dieses Buch nicht beantworten - schon allein deshalb nicht, weil ein systematischer Versuch der Beantwortung nicht gewagt wird. Es erschöpft sich in diesem Punkt weitgehend in dem häufig wiederkehrenden Hinweis auf die Machtbasis der Skandalierten in den eigenen Reihen: Fällt die Rückendeckung der Parteifreunde, so ist der Abgang in aller Regel besiegelt. Welche Rolle etwa den Medien bei politischen Rücktrittsdebatten zukommt, wird zwar in einem Unterkapitel behandelt, doch das Urteil der Autoren über die eigene Zunft fällt erstaunlich unkritisch aus. Sie erkennen immerhin an, dass die Medien lieber Be- als Entlastendes berichten, kommen jedoch letztlich zu dem Schluss, dass "Journalisten Politiker nicht stürzen können, sondern höchstens die Munition für einen Sturz transportieren". Ob der später rehabilitierte Lothar de Maizière, 1990 wegen angeblicher Stasi-Tätigkeiten aus dem Kabinett Kohl zurückgetreten, dies genauso sieht?

Das Buch gliedert sich im Prinzip in zwei Teile: Zunächst wird eine "Phänomenologie des Rücktritts" entwickelt. Dahinter steckt der Versuch, sowohl eine Rücktrittstypologie als auch allgemeingültige Aussagen zum Phänomen der politischen Rücktritte unter einen griffigen Kapitel-Titel zu rubrizieren. Dieser etwa 60 Seiten umfassende Abschnitt ist für den spezifisch an Rücktritten - und nicht nur an der Dokumentation von Skandalen - interessierten Leser der gewinnbringendste. Hintergründe, Mechanismen und Prozesse von Rücktrittsdiskussionen werden am ehesten hier behandelt.

Unfreiwillig aus dem Amt

Der zweite Teil unterscheidet sich dagegen an vielen Stellen nur wenig von einer Affären-Chronik. Der Schwerpunkt liegt dort nämlich auf Rücktritten, bei denen der Politiker unfreiwillig aus dem Amt gedrängt wurde - die Politikwissenschaft spricht hier von Push-Rücktritten -, wobei die Anlässe der Demission vielfältig sein können. Die Autoren kategorisieren hier zum Beispiel nach Rücktritten aufgrund zu guter "Nehmerqualitäten" (Vorteilnahme), Rücktritten als Konsequenz der Übernahme politischer Verantwortung nach den Fehlern anderer und Rücktritten, die den Schwierigkeiten mancher Funktionsträger im Umgang mit dem Nationalsozialismus geschuldet sind. Und auch wenn das Liebes- und Privatleben von Politikern für deutsche Journalisten meist weitgehend tabu ist, wird ferner ein erhellender Blick auf Demissionen geworfen, bei denen das Private plötzlich politisch wurde. Gerade an solchen Stellen zeigt sich, wie Rücktritte und solche, die nicht erfolgten, auch Indikatoren für gesellschaftliche Wandlungsprozesse sind.

Neben dem Push-Rücktritt wird auch der Typus des "Rücktritts aus Überzeugung" behandelt. Dazu zählen die Autoren jene Rücktritte "aufrechter" Minister, die aus politischer Überzeugung gegen eine aus ihrer Sicht nicht mehr tragbare Regierungspolitik ihren Platz auf der Regierungsbank räumen.

Man fragt sich gelegentlich, welche Kriterien an die Auswahl der beschriebenen Fälle angelegt wurden: Während der 2001 wegen "Problemen mit dem Finanzamt" zurückgetretene Europaminister Nordrhein-Westfalens, Detlev Samland, auf immerhin drei Seiten behandelt wird, finden Rücktritte von Mitgliedern der Bundesregierung wie beispielsweise die von Postminister Schwarz-Schilling, Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt oder Kanzleramtschef Bodo Hombach lediglich im Anhang des Buches Erwähnung.

Ein echtes Manko dieses Buches ist das fehlende Fazit. Nach Dutzenden Seiten zu Skandalen und Affären um Hundeshampoo klauende Minister, busengrapschende Abgeordnete, intrigierende CSU-Jünglinge, ihre Nazi-Vergangenheit verschleiernde Ministerpräsidenten und Lottoscheine fälschende Kreisvorstände würde sich der Leser natürlich eine pointierte Analyse des Gelesenen wünschen. Darin hätte man sich beispielsweise mit der Frage auseinandersetzen können, wie sich die insbesondere Anfang der 1990er-Jahre aufgetretene Häufung von Rücktritten aus ostdeutschen Landeskabinetten erklären lässt. Stattdessen wird im letzten Kapitel ein etwas isoliert dastehender Blick über die Grenzen zu einigen prominenten Rück-tritten im Ausland geworfen.

Was ist die bleibende Erkenntnis der Lektüre von "Endstation Rücktritt"? Politiker sind auch nur Menschen.

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ddp, 21. Februar 2006:

Abgestürzt und ausgemustert

Das Sachbuch „Endstation Rücktritt“ analysiert unfreiwillige Abschiede deutscher Politiker

Von ddp-Korrespondent Markus Peters

Jürgen W. Möllemann (FDP), Gustav Heinemann (SPD) und Monika Hohlmeier (CSU) hatten politisch nicht viel gemeinsam. Was sie verbindet, ist jedoch der Umstand, dass sie nicht freiwillig ihre Ämter aufgegeben haben. Deshalb gehören sie nun zu den Hauptfiguren in dem am Dienstag erschienenen Sachbuch „Endstation Rücktritt - Warum deutsche Politiker einpacken“ (Econ). Mit ihrem zweiten Buch liefern die Kölner Journalisten Pascal Beucker und Frank Überall ein nicht ganz ironiefreies Kompendium des politischen Scheiterns in Deutschland.

Über hundert Rücktritte deutscher Bundes- und Landespolitiker listen die Autoren im Anhang ihres Buches auf, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die meisten dieser Abgänge lassen sich in sieben von den Autoren entwickelten Kategorien einordnen. Dabei reicht die Bandbreite von der Demission, weil man zu offensichtlich die Privilegien des Amtes zum eigenen Vorteil genutzt hat, genannt sind Politiker wie Lothar Späth (CDU) oder „Amigo“ Max Streibl (CSU), bis zum Rücktritt, weil man die politische Verantwortung für das Versagen anderer übernimmt. Hierfür steht unter anderen Rudolf Seiters (CDU), der als Innenminister aus dem gescheiterten Polizeieinsatz in Bad Kleinen die Konsequenzen zog.

„Ein Rücktritt hat ja noch den Beigeschmack von Freiwilligkeit - auch wenn es oft verkappte Rausschmisse sind“, erläutert Beucker, NRW-Korrespondent der „taz“. Um einen Politiker straucheln zu lassen, müssten verschiedene Faktoren zusammenkommen, betonen die Autoren. Der vermeintliche Fehltritt müsse einen gewissen „Skandalisierungsgrad“ haben und dann über einen längeren Zeitraum die Öffentlichkeit beschäftigen. Dabei kommt es auch auf den Zeitpunkt an: „CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer wäre womöglich trotz seines umstrittenen Arbeitsvertrages mit dem Energiekonzern RWE zu halten gewesen - wenn nicht gerade der so wichtige Landtagswahlkampf in NRW begonnen hätte“, erläutert Beucker.

„Letztlich ist es eine Frage der politischen Kosten: Ist ein affärenbelasteter Politiker trotzdem für seine Partei noch von Nutzen - oder wird er zu sehr zur Belastung“, sagt Überall. Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) traten trotz wochenlangen öffentlichen Drucks nicht zurück - weil sie für ihre jeweiligen Parteien zu wichtig waren. „Allerdings neigen Politiker dazu, ihre Bedeutung für die Partei zu über- und ihre Belastung durch Affären und Skandale zu unterschätzen“, warnt Überall, der als WDR-Autor selbst am Aufdecken mehrerer Politik-Affären beteiligt war.

Bei ihrer Analyse verfolgen Beucker und Überall auch, wie es nach den Rücktritten mit den Politikern weiterging. Bei Jürgen W. Möllemann endete das politische Scheitern in der persönlichen Katastrophe. Der Weg von Gustav Heinemann führte nach dem Rücktritt aus Konrad Adenauers Kabinett sogar in das höchste Staatsamt.

Im Vergleich zu den Kinderjahren der Republik habe sich im Medienzeitalter der Druck auf die Politiker erhöht, sind die Autoren überzeugt: „Heute munitionieren die elektronischen Medien ständig nach und erhöhen so den Druck auf die Entscheidungsträger.“

Einen Trost haben Beucker und Überall aber auch für die heutige Politikergeneration: „Im Vergleich zur Adenauer-Ära muss heute kein Politiker mehr wegen seiner sexuellen Vorlieben zurücktreten.“

 

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Deutsches Handwerksblatt, 14. September 2006

Die Größe eines Politikers lässt sich am Rücktritt erkennen
Warum Vertreter der politischen Klasse zurücktreten - und was es über sie aussagt

Die Größe eines Politikers erkennt man, wenn er positive Geschichte schreibt und an der Art, wie er von der politischen Bühne abtritt. Für viele geschieht letzteres oft unfreiwillig: Sie müssen zurücktreten. Zwischen dem Rücktritt aus Überzeugung für ein Ziel, das man nicht erreichen kann oder gegen eine Entscheidung, die man nicht mittragen möchte, und dem durch einen Skandal erzwungenen Abgang gibt es viele Abstufungen. Diese haben Pascal Beucker und Frank Überall in ihrem Buch „Endstation Rücktritt“ herausgearbeitet, was gleichsam zu einem Sittengemälde der politischen Landschaft geraten ist.

Die Autoren stellen die Frage, ob es so etwas wie eine Kultur des politischen Rücktritts gibt und kommen – vor allem bei Rücktritten im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus – zu dem Schluss, dass Gründe, die zu einem Rücktritt führen, dem Zeitgeist unterworfen sind. War zum Beispiel eine Nazi-Vergangenheit in den 50er-Jahren kein Problem, reagierte die Öffentlichkeit in den 60er-Jahren empfindlicher. In den 70er-Jahren hatten sich dann schon viele Parteigänger Hitlers so viele Nachkriegsmeriten erworben, dass man mit Filbinger, Kiesinger und Carstens überaus schonend umging.

Zum Rücktritt Willy Brandts als Bundeskanzler auf Grund der Guillaume-Affäre, die dem Amtsinhaber damals als einzig gangbarer Weg erschien, hätte es aus heutiger Betrachtungsweise durchaus Alternativen gegeben, wie Pascal Beucker und Frank Überall anhand eines Zitats des Politikwissenschaftlers Theodor Eschenburg belegen: „Die Guillaume-Affäre mag der Anlass, kann aber nicht die Ursache eines Rücktritts gewesen sein. 

Von 1949 bis heute, von Adam-Schwätzer bis Zimmermann haben die Autoren die Rücktrittsgründe beleuchtet und kategorisiert: Ob freiwillig oder unfreiwillig, aus Parteiräson oder wegen zu guter Nehmerqualitäten, einige der Zurückgetretenen sind später wieder auf der politischen Bühne aufgetaucht. Es gab aber auch Abgänge, die tragisch, zum Beispiel mit dem Freitod, endeten. Denn „Politik machen ist eine Sucht“, und nur wenige Politiker haben den Mut oder vielleicht auch die finanziellen Mittel, aus Überzeugung einen Schlussstrich unter die glanzvolle Karriere zu setzen.

Nach den akribisch recherchierten und aufgearbeiteten Schicksalen in Deutschland wagen die Autoren auch einen Blick über die Grenzen. Dabei kommen sie zu der Einsicht, dass die „Kulturen des Rücktritts“ nicht ohne Weiteres vergleichbar sind. Andere Demokratieausprägungen setzen eben auch andere Maßstäbe. - bf

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Deutschlandfunk - Politische Literatur, 03. April 2006, 19.15 Uhr:

Warum deutsche Politiker einpacken

Von Volker Wagener

Wann und warum treten Politiker zurück? Können die Medien Rücktritte erzwingen, oder sind es doch die Fakten, die zur Endstation politischer Karrieren führen? Frank Überall und Pascal Beucker haben untersucht, wie, warum und wann deutsche Politiker einpacken. Volker Wagener hat das Buch gelesen.

Die Autoren starten ihre Recherche mit einem wahrlich eindeutigen Fall. Es geht um die "Causa Palmer" im Oktober 2004. Christoph Palmer, ein Christdemokrat, war zu später Stunde anlässlich der Wiederwahl des Stuttgarter Oberbürgermeisters Wolfgang Schuster mit dem Waiblinger Bundestagsabgeordneten Joachim Pfeiffer in Streit geraten. Augen- und Ohrenzeugen wollen aus dem Munde Palmers so Unmissverständliches wie "Drecksau", "Rädelsführer" und "Verräter" vernommen haben - was erst die Ouvertüre für Rustikaleres war. Danach verpasste er dem MdB Pfeiffer zwei Ohrfeigen - und zwar kräftige -, berichteten seinerzeit die Anwesenden. Palmers Schadensbilanz war schnell gemacht, die Unbeherrschtheit kostete ihn das Amt. Palmer, damals 42 Jahre jung, war immerhin Staatsminister. 24 Stunden nach den ausgeteilten Backpfeifen trat Palmer mit den Worten zurück, er bitte "die Öffentlichkeit um Verständnis, dass Menschen, auch wenn sie Minister sind, nicht ohne Emotionen sind". Ein Fall der Abteilung schnell und konsequent, urteilen die Autoren Pascal Beucker und Frank Überall.

Langwieriger und prominenter der Fall Lothar Späths, CDU. Der Ministerpräsident Baden-Württembergs geriet Ende 1990 unter dem Schlagwort "Traumschiff-Affäre" ins Gerede. Er hatte zahlreiche Lustreisen auf Kosten von Unternehmern mitgemacht. Das reine Vergnügen seien die Urlaube in Manila, Hongkong, Mexiko oder Malaysia nicht gewesen, konterte Späth nach anfänglich eher patzigen Reaktionen. Immerhin habe er dabei auch Gespräche über Investitionsprojekte im Ländle geführt - zumindest bei einigen. Dennoch: Am 13. Januar 1991 trat Späth zurück. Er sei Opfer jener geworden, die ihn niedermachen wollten. Es gab auch andere Begründungen.

(O-Ton) Wenn in einer solchen Art, wie das jetzt läuft, jemand über Monate hinweg gebunden ist durch einen Untersuchungsausschuss, und wenn ich anfangen muss Belege und Buchhaltungen durchzusehen, die ich vorher nie gesehen habe, und dauernd gefragt werde, wie war denn das, wie war denn das mit der Abrechnung und dieser Unterlage? Dies hab ich selbst nie übersehen können, weil ich mich nie damit beschäftigt habe. Und wenn ich das jetzt machen muss, dann ist die Regierungsarbeit gelähmt.

An dieser Stelle rückt der Untertitel des Buches in den Blickpunkt. Die Autoren wollen die Begründungen der Rücktritte dokumentieren, um sie sodann zu typologisieren. Lothar Späth rechnen Beucker/Überall zur Kategorie "Die Sünderlein - Rücktritt wegen zu guter Nehmerqualitäten". Hierzu zählen sie unter anderen auch Amigo Max Streibl und Laurenz Meyer.

Unter dem Kapitel "Der lange Schatten der Vergangenheit" finden wir auf Seite 263 die Geschichte über das plötzliche politische Ende des Philipp Jenninger. Der frühere Bundestagspräsident hatte 1988 anlässlich des 50. Jahrestages der Reichspogromnacht im alten Bonner Wasserwerk vor dem Bundestag eine Rede gehalten, bei der - noch während er sprach - rund 50 Parlamentarier den Saal verlassen hatten, aus Protest gegenüber einem Vortrag der gut gemeint, aber völlig daneben war, so das einhellige Urteil der Zuhörer. Aussagen wie "die Staunen erregenden Erfolge Hitlers" seien eine "nachträgliche Ohrfeige für das Weimarer System" gewesen, konnten nicht nur, sondern mussten sogar missverstanden werden.

(O-Ton) War er nicht wirklich von der Vorsehung auserwählt, ein Führer wie er einem Volk nur einmal in tausend Jahren geschenkt wird? Sicher, meine Damen und Herren, in freien Wahlen hatte Hitler niemals eine Mehrheit der Deutschen hinter sich gebracht. Aber wer wollte bezweifeln, dass 1938 eine große Mehrheit der Deutschen hinter ihm stand, sich mit ihm und seiner Politik identifizierte?

Hier marschierte einer mit geistigen Knobelbechern durch die Geschichte, befand der FDP-Abgeordnete Wolfgang Lüder. Einen Tag später reichte Jenninger seinen Rücktritt ein. SPD-Partei- und Fraktionschef Hans-Jochen Vogel traf den Kern des Scheiterns Philipp Jenningers am besten.

(O-Ton) Philipp Jenninger hat damit eine angemessene Konsequenz aus der Tatsache gezogen, dass er in einem Zusammenhang, der an das gedankliche und sprachliche Einfühlungsvermögen und die Sorgfalt der Darstellung besondere Anforderungen stellte, diesen Anforderungen nicht gerecht geworden ist.

Der Rhetorik-Professor Walter Jens urteilte kurz und zutreffend: "Eine völlig missratene Rollenprosa". Jenninger hatte es nicht verstanden, Zitate als Zitat kenntlich zu machen, und er gebrauchte Formulierungen, die als Rechtfertigung des Nationalsozialismus missdeutet werden konnten, schreiben die Autoren. Ein Jahr später wurde Jenninger ausgerechnet von Ignatz Bubis, damals zweiter Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, in Teilen rehabilitiert. Bubis verwandte in zweien seiner Ansprachen zum Holocaust-Gedenktag wörtliche Passagen aus Jenningers Ansprache und erntete Applaus dafür. Ein Experiment, das belegt, dass die Rede in weiten Teilen hervorragend war, sagte Bubis wenig später in einem Zeitungsinterview. Nur wurde sie rhetorisch miserabel gehalten, ergänzte er.

Der wohl Aufsehen erregenste Rücktritt in der bundesdeutschen Politik war unzweifelhaft der von Willy Brandt 1974. Er schlug auch international Wellen und hinterließ Spuren. Die Autoren belegen das. Es gebe nicht viele Theaterstücke, die sich mit der Amtszeit eines deutschen Bundeskanzlers beschäftigen, schreiben sie. Michael Frayn, einer der renommiertesten Schriftsteller Großbritanniens hat genau das aber getan und die Amtszeit Brandts auf die Bühne gebracht. "Democracy" heißt das Stück, es sei fesselnd wie ein Thriller von John Le Carré, schrieb seinerzeit der Guardian.

Auslöser der Demission Brandts, die er am 8. Mai im Fernsehen begründete, war Günter Guillaume. Brandt war vom seinerzeitigen Innenminister Hans-Dietrich Genscher schon im Mai 1973 darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass Guillaume unter dem Verdacht der Spionage stehe. Um gerichtsverwertbare Beweise zu gewinnen, wurde Guillaume zunächst nur observiert. So hatte es Günther Nollau, Chef des Verfassungsschutzamtes, Genscher vorgeschlagen, der es wiederum Brandt mitteilte. Brandt akzeptierte das und ließ Guillaume sogar im Juli während eines Norwegen-Urlaubs Einblick in geheime Dokumente nehmen. Ein Fehler, den Brandt bei seiner Rücktrittsbegründung auf seine Kappe nahm.

(O-Ton) Was immer mir an Ratschlägen gegeben worden war, ich hätte nicht zulassen dürfen, dass während meines Urlaubs in Norwegen im Sommer vergangenen Jahres, auch geheime Papiere durch die Hände des Agenten gegangen sind. Es ist und bleibt grotesk, einen deutschen Bundeskanzler für erpressbar zu halten. Ich bin es jedenfalls nicht.

Sechs Seiten über aufregende und historische Tage vor mehr als 30 Jahren. Über die Ära Brandt gibt es mittlerweile eigene Bibliothekszimmer. Doch der Vorzug des Buches von Pascal Beucker und Frank Überall besteht vor allem in seinem Überblick. Ein wichtiges Nachschlagewerk für alle Journalisten, Politiker, Studenten und allgemein politisch Interessierte.

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DIPArameter - Nachrichten aus dem Deutschen Institut für Public Affairs, 7. April 2006:

Der Rücktritt eines Politikers ist ein Phänomen, das einer Phänomenologie bedarf. Dachten sich die jungen Journalisten Beucker (taz) und Überall (WDR, dpa). Sie wollen ein Sittengemälde präsentieren und geben sich zugleich Mühe, der Demission und Selbstaufgabe eine ordnende Systematik zu verpassen. Sie finden seit 1949 freiwillige und unfreiwillige Rücktritte, Rücktritte, die eigentlich keine sind, Rücktrittsauslösende Vergangenheitsbewältigung und dergleichen mehr. Sie widmen sich auch ausführlich den Rücktrittsmachern – in erster Linie die Medien in ihren Augen. Vor allem aber erzählen die Autoren viele fast vergessene Geschichten von Zurückgetretenen. Da sind zum einen die Aufrechten, die aus Überzeugung zurücktreten wie Heinemann, Birthler, Leutheusser-Schnarrenberger und auch Lafontaine. Die Verantwortlichen, die den Hut nehmen, weil andere versagt haben – so Brandt, Stoltenberg oder Seiters. Dann sind da die Sünderlein, die etwas zu gute Nehmerqualitäten hatten. In dieser Familie finden sich Späth, Glogowski, Streibl, Gysi, Samland, Klimmt und Laurenz Meyer. Hier gehen die Autoren auch auf die aktuelle Debatte um Nebentätigkeiten ein. Bei der Kategorie „die Skandalösen“ stellen die Autoren fest, dass auch nach dem Rücktritt noch nicht alles erledigt ist – bei Möllemann und Hohlmeier etwa. Wenn die braune Vergangenheit ans Tageslicht kam oder der Umgang mit ihr zur Explosion führte, mussten andere gehen – Maunz, Filbinger, Vogel, Jenninger. Sex und sexuelle Orientierungen sind ebenfalls Rücktrittsgründe, und hier finden sich Seitenspringer, Grabscher, Telefonsex-lüsternde Politiker. Schließlich widmen sich die Autoren dem tiefen Fall derjenigen Politiker, die keine Chance mehr für einen Wiedereinstieg bekommen – und für die der Rücktritt erst der Anfang vom Abstieg ist. Die Autoren beschreiben die Schicksalsschläge von Scholl, Wolf, Krause und Wienand. Ein Ausflug ins Ausland und eine tabellarische Übersicht von Ministerrücktritten in Bund und Ländern samt ihrer Gründe machen den Band voller lesenswerter Fallstudien komplett.

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dpa, 10. April 2006:

"Endstation Rücktritt" analysiert das Ende von Politiker-Karrieren

Berlin (dpa) - Von A wie Konrad Adenauer bis Z wie Friedrich Zimmermann - das Buch "Endstation Rücktritt" von Pascal Beucker und Frank Überall analysiert das Ende von Politikerkarrieren und liest sich wie ein Who is Who der deutschen Nachkriegsgeschichte. Eingeleitet wird das Werk von einer "Kleinen Phänomenologie des Rücktritts", danach folgen zahlreiche Beispiele. Das erste ist Gustav Heinemann, der seine politische Karriere in der CDU begann und aus Protest gegen die Wiederbewaffnung seinen Posten als Innenminister aufgab. Dabei ist er ein untypisches Beispiel: Für ihn war der Rücktritt nicht Endstation, denn später wurde er als SPD-Politiker Bundespräsident. Freiwillige und unfreiwillige Rücktritte schildern die Autoren in Kurzporträts, angedrohte und erzwungene, mit und ohne Comeback. Noch interessanter wäre das Buch, wenn es Fotos enthielte oder gar spätere Reflexionen der Zurückgetretenen.

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Die Entscheidung, Juli/August 2006:

Zurücktreten bitte!

Warum treten Politiker zurück? Welche Folgen zieht ein solcher Schritt für die Betroffenen selbst, aber auch für ihre Parteien nach sich? Bedeutet ein Rücktritt das unwiderrufliche „Aus“ für alle politischen Ambitionen oder bietet sich anschließend die Chance auf ein Comeback? Diesen Fragen geht der frühere Chefredakteur der ENTSCHEIDUNG, Frank Überall, gemeinsam mit Pascal Beucker in „Endstation Rücktritt“ in erhellender Weise nach. Dabei beleuchten die Autoren nicht nur die zum Teil spektakulären Fälle wie Oskar Lafontaines plötzlichen Abgang als Finanzminister und SPD-Parteichef, sondern versuchen zudem, aus den Gründen der jeweiligen Demissionen eine „kleine Phänomenologie des Rücktritts“ zu entwickeln – mit dem Ergebnis, dass Rücktritt nicht gleich Rücktritt ist.

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FDP Bayern-Homepage, 01. Mai 2006:

Liberaler Buch-Tipp des Monats Mai

Wie war das damals, als Oskar Lafontaine als Bundesfinanzminister zurücktrat? Oder Günther Krause? Oder Monika Hohlmeier? Oder, oder, oder......

„Endstation Rücktritt. Warum deutsche Politiker einpacken“ von Pascal Beucker und Frank Überall bietet die erste vollständige Darstellung der Rücktritte deutscher Politiker seit 1949 und sucht bisher seinesgleichen. In sehr gut lesbarer Form kann man sich zu den Ursachen, Motivationen, Formen und Folgen der Amtsniederlegungen schlau machen – und auch eine gewisse Spannung kann man der Lektüre durchaus zuschreiben.

Liest man die ganzen Namen zurückgetretener Politiker mal in dieser kompakten Form, so wird einem erst bewusst, wie sehr deutsche Nachkriegspolitik von diesen Ereignissen geprägt war. Einige Personen der frühen Jahre sind dem jüngeren Leser natürlich nicht mehr so präsent; über deren Rücktrittsumstände, die oft mit der NS-Vergangenheit zu tun hatten, zu lesen, ist trotzdem äußerst lohnenswert.

Auch für Studenten, die beispielsweise nachschlagen möchten, warum die „aufrechte Liberale“ (so das Buch) Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zurücktrat und zwar ihr Amt, aber nicht ihre Reputation verlor, ist das Werk sehr geeignet.

Es zeichnet sich beim Lesen ab, dass bundesrepublikanische Geschichte zwar keineswegs eine Abfolge von Rücktritten war, aber dass die oftmals persönlich motivierten Entscheidungen in gewisser Hinsicht kleinere und größere Zäsuren der Nachkriegspolitik repräsentierten. Sehr aufschlussreich sind auch die Recherchen von Beucker/Überall, inwieweit die Medien, die „Parteifreunde“ oder auch die Koalitionspartner in Rücktritte involviert sind.

Das Buch erschließt sich auch deshalb gut, weil die Autoren die einzelnen Politiker-Rücktritte in Kategorien einteilen: Rücktritt aus Überzeugung, Unfreiwilliger Rücktritt, Rücktritt wegen dem Versagen Anderer, Rücktritt wegen Bereicherung usw.

Das Buch ist eine der interessantesten Neuerscheinungen des Jahres 2006 und sicherlich ein Standardwerk zu diesem Thema für die nächste Zeit. - Lars Pappert M.A.

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FOCUS, 06. März 2006:

Vom Ende erzählt

Vom Ende Dutzender Politikerkarrieren aus gesehen, mache das Kabinett Merkel eine gute Figur, orakelt Frank Überall, Co-Autor des neuen Buchs "Endstation Rücktritt" (Econ). "Die Rücktrittsgeschichten der Bundesrepublik lehren: Wenn es nicht schon in den ersten 100 Tagen kracht, hat die Regierung Chancen, bis zum Ende der Legislaturperiode stabil zu bleiben", so der 34-jährige Politikwissenschaftler und Journalist.

Das Werk beschreibt das Macht-Finale etwa von Wiederbewaffnungsgegner Gustav Heinemann (CDU/SPD), von Spionageopfer Willy Brandt (SPD) und diversen politischen Skandalnudeln. Am Ende steht die Grüne Renate Künast, die Wochen vor dem Auslaufen ihrer Amtszeit zurücktrat.

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FREITAG, 10. August 2007:

Rücktritt
ENZYKLOPÄDIE - Pascal Beucker und Frank Überall bringen leider wenig Licht in ein politisches Ritual

Von Martin Böttger 

Wer schon immer einen Politiker oder eine Politikerin loswerden wollte, dem wird jetzt geholfen. Die taz-Mitarbeiter Pascal Beucker und Frank Überall, beide im klüngelerprobten Köln zuhause, haben mit Endstation Rücktritt einen erschöpfenden Überblick über das vorgelegt, was man sich oft wünscht, wenn man abends vor den Tagesthemen sitzt.

Es geht um "Aufrechte", die aus Überzeugung zurücktreten, zum Beispiel Gustav Heinemann. In den fünfziger Jahren trat er als Bundesminister zurück und aus der CDU aus, weil ihm die Westintegrationspolitik Adenauers nicht passte. Bei ihm war die Endstation jedoch nicht Rücktritt, sondern das Bundespräsidentenamt 1969, mit dem er aus heutiger Sicht als Vorbote der ersten SPD/ FDP-Koalition (1969-1982) gewertet wird. Auch Oskar Lafontaine findet Aufnahme in diese "Aufrechten"-Rubrik.

Dann gibt es in der Sicht von Beucker und Überall die "Verantwortlichen", die aufgrund von Fehlern anderer zurücktraten. Sie wird angeführt von Willy Brandt, der nach der Spionageaffäre Guilleaume von seinen Genossen Wehner und Schmidt 1974 zum Rücktritt gedrängt wurde.

Während die "Aufrechten" und die "Verantwortlichen" ein übersichtliches Feld darstellen, wird die Liste der "Sünderlein" mit zu guten "Nehmerqualitäten" schon länger, aber auch unbekannter. Wer kennt außerhalb der Polit-Szene schon Detlev Samland (Ex-MdEP und Ex-NRW-Landesminister, heute Lobbyist in Berlin)? Wer erinnert sich noch an Ex-CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer?

Noch vergessener sind nur die "tief Gefallenen". Hier ist ein ehemaliger Landesminister der FDP zu nennen, der als Juwelenräuber erwischt wurde, der ehemalige Bundesminister und Ausverhandler des Einigungsvertrages Günther Krause und der ehemalige SPD-Bundestagsfraktionsgeschäftsführer Karl Wienand, der 1972 im Auftrag Herbert Wehners die entscheidenden CDU-MdBs gekauft hatte, um den Sturz Willy Brandts durch ein Misstrauensvotum zu verhindern, und der vor Jahr und Tag in den Kölner-Abfallwirtschaftsskandalen als bestechender Lobbyist wieder auftrat.

Nicht fehlen in den Aufzählungen dürfen außerdem die "langen Schatten der Vergangenheit" bei den ehemaligen Nazis in der westdeutschen Bundesrepublik und die privaten Verfehlungen (Seitensprünge, Telefonsex, sexueller Missbrauch), die einst von der "Vierten Gewalt", den Medien, schamhaft verschwiegen wurden, die heute aber schnell zum Gegenstand öffentlicher Erörterung werden können. Immerhin: nach dem Selbstouting von Wowereit und Westerwelle und seit dem missglückten Demontageversuch Schills gegen von Beust in Hamburg ist es kaum noch möglich, schwule Politiker zu erpressen. Es ist eben vieles auch gut gelaufen in den letzten Jahren.

Beucker und Überall bemühen sich um enzyklopädische Vollständigkeit, soweit es die deutsche Szene betrifft, ergänzen es durch einen kurzen Vergleichsblick ins Ausland und befördern manches aus Archiven ans Tageslicht. Schade nur, dass sie bei vielen Einzelfällen, bei denen es nahe gelegen hätte, nicht versucht haben, tiefer zu schürfen. So verweisen sie zum Beispiel absolut korrekt beim - wahrscheinlichen - Selbstmord des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel (CDU) 1987 nur dunkel auf "abenteuerliche Gerüchte", für die sich "Indizien" aber keine "Beweise" finden ließen. Dass aber in zeitlicher Nähe zu diesem Vorgang der Schatzmeister der IG Metall auf Bahngleisen "tot aufgefunden" wurde und eine ehemalige Mitarbeiterin des seinerzeitigen SPD-Spitzenkandidaten in Schleswig-Holstein Egon Bahr durch eine Brandstiftung zu Tode kam, hätte zumindest zu vertiefenden Recherchen veranlassen können.

Noch magerer wirkt die Darstellung im Fall Möllemann, den Beucker und Überall aus nächster nordrhein-westfälischer Nähe beobachten konnten. Möllemanns spezielle Beziehungen in den arabischen Raum, sehr speziell nach Saudi-Arabien, sein merkwürdiges Funktionärsgebaren beim FC Schalke 04 und bei der Finanzierung der dortigen "Arena", der Verdacht auf seine Beteiligung an diversen Rüstungsgeschäften und seine antisemitischen öffentlichen Ausfälle finden alle keine Erwähnung.

Wer quasi lexikalisch die Geschichte einzelner deutscher Rücktritte nachschlagen möchte, ist bei diesem Buch richtig. Aber er sollte es als Anreiz nehmen, weiter zu forschen. Denn Politikerrücktritte sind ein weites Feld.

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Kieler Nachrichten, 03. April 2006:

Rücktritte, die Geschichte machten
ENZYKLOPÄDIE - Pascal Beucker und Frank Überall bringen leider wenig Licht in ein politisches Ritual

Von Gabriele Lorenz 

Was haben der erste Bundeskanzler, Konrad Adenauer, die frühere FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die einstige SPD-Lichtgestalt Björn Engholm und Ex-Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) gemeinsam? Richtig: Sie sind zurückgetreten, allerdings aus völlig unterschiedlichen Beweggründen. Und um die geht es den Journalisten Pascal Beucker und Frank Überall in ihrer "Endstation Rücktritt". Herausgekommen ist eine gut lesbare "Kleine Phänomenologie des Rücktritts", die durch eine Fülle von Fallbeispielen belegt wird. Schließlich gab es allein in den Bundeskabinetten von Adenauer bis Gerhard Schröder 92 Rücktritte und fast ebenso viele aus Landesregierungen.

Praktisch ganz nebenbei entsteht so eine spannende Geschichte der Bundesrepublik, denn gerade wenn Rücktritte durch Affäre erzwungen wurden oder - seltener - aus Überzeugung geschahen, begegnet der Leser allen wichtigen politischen Themen der vergangenen 57 Jahre wieder: Das beginnt bei Adenauer, der mit 87 Jahren nach 14-jähriger Amtszeit 1963 aus Altersgründen abtrat, und seinem früheren Innenminister Gustav Heinemann, der 1950 (damals noch CDU) demissionierte, weil er die Wiederbewaffnungspolitik Adenauers nicht mittragen wollte. Ebenfalls wegen ihrer politischen Überzeugung trat Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zurück: Sie konnte den Großen Lauschangriff mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren.

Björn Engholm schließlich stolperte 1993 als schleswig-holsteinischer Ministerpräsident über eine kleine Lüge, die einem Politiker, der Integrität und Moral versinnbildlichte, nicht durchgehen konnte. Er hatte 1987 schon früher von den üblen Wahlkampftricks seines CDU-Widersachers Uwe Barschel gewusst, als er damals aussagte.

Und Andrea Fischer? Ihr Rücktritt Anfang 2001 war taktisch motiviert: Die grüne Gesundheitsministerin im ersten Schröder-Kabinett übernahm die politische Verantwortung für die BSE-Krise - und zog SPD-Agrarminister Karl-Heinz Funke mit.

Auch die Rolle von Parteifreunden, politischen Gegnern und Medien arbeiten Beucker und Überall gut auf. Kleiner Wermutstropfen: Es wurden ein paar Fehler übersehen - so ist Hans Filbinger im Anhang als schleswig-holsteinischer statt baden-württembergischer Ministerpräsident (S. 329) aufgeführt. Und auch beim "Waterkantgate" hat sich (S. 229) mit 1983 eine falsche Jahreszahl eingeschlichen: Die Wahl fand am 13. September 1987 statt. 

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Köln Nachrichten, 01. März 2006:

(...) Ein spannendes Buch, das viel Wissen über so manchen (auch) vergessenen Rücktritt wieder in das Kurzzeitgedächtnis spült. Und für die politisch Engagierten bietet es interessante Einblicke in die Denkzusammenhänge von Politikern. (...)

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Leipziger Volkszeitung, 16. März 2006:

Lesung im Krahmerladen

Im Rahmen von "Leipzig liest" heißt es heute ab 19 Uhr im Krahmerladen, Kupfergasse 2 (Dresdner Hof ) "Endstation Rücktritt". Gastgeber Holger Krahmer - er sitzt für die FDP im Europa-Parlament - begrüßt das Autorenduo Pascal Beucker und Frank Überall. In ihrem Buch über die Sittengeschichte der bundesdeutschen Politik schildern sie, warum Politiker zurücktreten oder "zurückgetreten werden". -
A. Rau

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Märkische Oderzeitung, 15. April 2006:

Wie Karrieren enden
Das Phänomen der Politiker-Rücktritte

Von Gunther Hartwig

Die von den beiden Autoren gelieferte "Kleine Phänomenologie des Rücktritts" ist eine verdienstvolle Arbeit, denn sie zeigt vor dem Hintergrund auch aktueller Ereignisse, wie vielfältig die Gründe dafür sein können, dass politische Amtsinhaber demissionieren (müssen). Allerdings muss man als Leser nicht unbedingt die Klassifizierung teilen, die das Buch vorgibt.

So findet sich zum Beispiel der ehemalige SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine unter der Rubrik "Die Aufrechten - Rücktritt aus Überzeugung" in einer Reihe mit der grünen Bürgerrechtlerin Marianne Birthler, die einst aus Protest gegen die ihrer Meinung nach unzureichende Vergangenheitsbewältigung von SPD-Ministerpräsident Manfred Stolpe aus dem brandenburgischen Kabinett ausschied. Und was hat die von seinen Genossen als Fahnenflucht empfundene Nacht-und-Nebel-Aktion Lafontaines mit dem durchaus ehrenwerten Protest von Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) gegen den "großen Lauschangriff" zu tun?

Da leuchtet schon mehr ein, wenn Willy Brandt (SPD), Gerhard Stoltenberg und Rudolf Seiters (beide CDU) in einem Atemzug als Beispiele dafür genannt werden, dass jemand die Verantwortung für das Versagen anderer übernimmt und geht. Lang ist auch die Liste jener "Sünderlein" von Lothar Spät (CDU) bis Gregor Gysi (PDS), die wegen zu ausgeprägter "Nehmerqualitäten" untragbar wurden, der "Skandalösen" von Jürgen W. Möllemann (FDP) bis Monika Hohlmeier (CSU), mit deren Rückzug noch längst nicht alle Fragen erledigt waren, oder der prominenten Angeklagten Hans-Otto Scholl (FDP) und Günther Krause (CDU), mit denen sich ordentliche Gerichte zu befassen hatten.

So unterschiedlich die Fälle im einzelnen auch waren, so häufig kehren Verhaltensmuster im Umfeld von Rücktritten wieder: der Versuch, eigene Schuld zu leugnen oder zu vertuschen, das Drängen einflussreicher Freunde oder politischer Gegner, die Rolle der Medien als Beschleuniger von Abstürzen. Allerdings muss mit dem Amtsverzicht nicht das Ende einer Karriere einhergehen: Gustav Heinemann trat einst als CDU-Justizminister zurück, weil er mit der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik nicht einverstanden war, kehrte aber als SPD-Mitglied ins Bundeskabinett zurück und wurde 1969 erster sozialdemokratischer Bundespräsident.

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Neue Rheinische Zeitung, 12. April 2006:

Buchkritik
"Endstation Rücktritt"


Von Uli Klinger

Die beiden erfahrenen Kölner Journalisten haben wieder einmal zugeschlagen. Rücktritte, politische Rücktritte sind dieses Mal ihr Thema. Nach der Einleitung folgt die "Kleine Phänomenologie des Rücktritts" (sie ist der politische, wenn auch nicht der seitenstärkste Hauptteil des Buches) und dann - unterteilt in sieben Kategorien - die Schilderung der (bundesdeutschen) Politikerfälle.

Da finden wir z. B. unter der Überschrift "Die Aufrechten - Rücktritt aus Überzeugung" die Namen Gustav Heinemann, Marianne Birthler, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Oskar Lafontaine. Weitere Politiker haben es in diese Kategorie nicht geschafft, vielleicht wären noch die Namen der 2. Kategorie "Die Verantwortlichen - Rücktritt nach dem Versagen anderer" hinzuzuzählen: Willy Brandt, Gerhard Stoltenberg und Rudolf Seiters.

Diese Personen sind die (positiven) Ausnahmen, sozusagen die Lichtgestalten, denn der Rücktritt vom politischen Amt ist ja nicht ehrenrührig - wenn er denn aus der Überzeugung gefällt wird, dass man/frau eine politische Frage oder Weichenstellung nicht mehr mittragen kann oder will. Und gerade Gustav Heinemann oder Oskar Lafontaine sind ja auch Zeugen dafür, wie man trotz dieses Schlussstriches später dann (wenn auch in beiden Fällen mit einem Parteiwechsel verbunden) weiterhin in der Politik arbeiten und sich einsetzen kann. Oder wenn man politische Verantwortung für das Verhalten anderer (weisungsgebundener MitarbeiterInnen) übernimmt, weil deren Handeln fehlerbehaftet war.

Doch dann folgen von Lothar Späth über Laurenz Meyer bis zu Karl Wienand die Zurückgetretenen, denen gar nichts anderes mehr übrig blieb, da entweder ihre persönliche Schuld offensichtlich war oder sie in ihrer jeweiligen Partei zum Abschuss freigegeben waren. Und da liegt die Sache ganz anders. Denn hier reichen die Kategorien von "Die Sünderlein - Rücktritte wegen zu guter "Nehmer-Qualitäten" über "Die Skandalösen" bis zu den "begehrenden Politikern". Natürlich fehlen bei diesen Autoren die Kölner "Dankeschönspenden" nicht, und auch der lange Schatten der (braunen) Vergangenheit wird nicht ausgelassen.

Klar wird auch in der Analyse, dass die Geschichte der Rücktritte auch eine politische Zeitgeschichte ist. Und dass die "erzwungenen" eigentlich immer nur dann eintreten, wenn der persönliche Horizont im Machtgefüge überschritten ist. Wenn die gleichfalls betroffene Partei hinter dem öffentlich benannten "Sünder" steht, ist die Gefahr geringer. Bestes Beispiel hierbei ist Roland Koch, der anlässlich des hessischen Spendenskandals nachweislich die Unwahrheit sagte und heute immer noch Ministerpräsident des Bundeslands Hessen ist.

Mit viel Sachkenntnis und einer lebendigen Schreibe haben sich die zwei Autoren jedem einzelnen Fall gewidmet. Herausgekommen ist ein Buch, das vieles wieder in Erinnerung bringt, manches erst durch den zeitlichen Abstand richtig wertet. Natürlich fehlen auch Histörchen nicht. Aber das macht es auch für den politisch nicht so Interessierten lesenswert. Und Leser und Leserinnen wünscht man sich diesem Buch. Denn obwohl die pure tabellarische Aufstellung gegen Ende des Buches erschreckt und zu der oft gehörten Negativmeinung über die "verkommene Politikerkaste" verleiten kann, ist dieses gesamte Werk auch der Nachweis, dass die "Demission eines Mandatsträgers ein politisches Korrektiv ist, das in der Verfassung zwar nicht vorgesehen, aber unabdingbar für den Fortbestand unserer Demokratie ist" (Südkurier).

Wie bemerkte doch der Mitverfasser Pascal Beucker so treffend "... bedenkenswert ist, dass ein Rücktritt nicht unbedingt das Ende einer politischen Karriere sein muss. Das gilt insbesondere für politisch motivierte Rücktritte. Gysi und Lafontaine sind heute wieder Fraktionsvorsitzende, wenn der eine dafür auch die Partei wechseln musste. Leutheusser-Schnarrenberger sitzt immer noch für die FDP im Bundestag und Horst Seehofer ist wieder Minister geworden. Und Gustav Heinemann wurde später immerhin sogar Bundespräsident. Politiker könnten sich also durchaus mehr politisches Rückgrat leisten, als die meisten von ihnen sich trauen".

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Neues Deutschland, 23. November 2006:

Eine Frage der Ehre?

Endstation Rücktritt – Warum sich Politiker verabschieden

Von Jochen Bülow

Weswegen schmiss Gregor Gysi sein Amt als Berliner Wirtschaftssenators? Warum musste Bundeswirtschaftsminister Jürgen Möllemann den Rückzug antreten? Was brachte Laurenz Meyer um seinen Job als CDU-Generalsekretär? Fragen wie diese beantwortet diese Neuerscheinung.

Das Kurzzeitgedächtnis ist – wie der Name schon sagt – eben ein Kurzzeitgedächtnis. Aber leider ist sein Pendant – das Langzeitgedächtnis – oft nicht annähernd, was sein Name vermuten lässt. Fakten und Zeitpunkte schieben sich mit den Zeitläuften zu einer unauflöslichen Melange zusammen. Einzelheiten versinken im Sumpf der Erinnerung, entziehen sich dem gedanklichen Zugriff. Grund genug für Pascal Beucker (»taz«) und Frank Überall (freier Journalist), ein bisher einmaliges Buchprojekt in Angriff zu nehmen: Erinnerung an Skandale und Skandälchen, persönliche Waterloos und einige wenige Glanzpunkte politischer Verantwortungsübernahme. Denn genau das ist die erste Lehre des journalistisch-schnittig geschriebenen Buches.

»Den« Rücktritt als solchen gibt es nicht. Rücktritte sind vielschichtig: Mal freiwillig, mal angeblich freiwillig, mal erzwungen, verspätet, ohne erkennbaren Grund und – sehr selten – um politische Zeichen zu setzen. Und das scheuste Reh der Gattung Rücktritt ist der »Rücktritt der Aufrechten aus Überzeugung«: Gustav Heinemann wegen der Wiederbewaffnung, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wegen des »Großen Lauschangriffs«. Ob jeder Leser den Rücktritt Oskar Lafontaines als Bundesfinanzminister unter diese Kategorie verbuchen würde, sei dahingestellt. Es gelingt Beucker/Überall, die Schatten der Vergangenheit auferstehen zu lassen: Wie war das mit der Barschel-Affäre? Und was durfte der furchtbare Nazi-Jurist und spätere baden-württembergischer Ministerpräsident Hans Karl Filbinger 33 Jahre nach Ende der Nazi-Diktatur öffentlich äußern?

Ein wenig zu kurz kommt der Gedanke, dass Rücktritte und deren Hintergründe sicherlich einerseits Beweis für die Verkommenheit des politischen Geschäftes sind, aber andererseits auch belegen, dass öffentliche Kontrolle, die Medien und Staatsanwaltschaften sehr häufig funktionieren. Das geht ein wenig unter. Es tritt der Effekt ein, der bekannt ist vom Lesen der Kriminalstatistiken: Überall Verbrecher, überall Unsitte.

Geradezu vergnüglich zu lesen sind die einführenden Seiten, eine »Kleine Phänomenologie des Rücktritts«. Gelegentlich mit einem Augenzwinkern, sehr häufig lehrreich und immer aus dem Leben gegriffen – so präsentieren die Autoren ihr Sujet. Allerdings, etwas einäugig sind die beiden gestandenen Journalisten denn doch: Politiker aus dem Osten der Republik kommen mit Krause und de Maizière erst nach 1989 vor. Dabei wären doch gerade die in BRD und DDR so unterschiedlichen politischen Kulturen und ihre Auswirkungen auf die Auswechselung von Führungspersonal ein interessantes Gebiet gewesen.

Schließlich war in der DDR die »Entbindung von Aufgaben aus gesundheitlichen Gründen« gemeinhin als Synonym dafür bekannt, dass sich der Betreffende im Macht- und Beziehungssystem der Partei nicht länger behaupten konnte. Interessant wäre auch gewesen der Frage nachzugehen, wie mit Taten und Unterlassungen umgegangen wurde, die tatsächlich einzelnen Ministern oder ZK-Mitgliedern als persönliche Fehler zugeordnet werden konnten. Ulbricht, Honecker und der ein oder andere Fall aus dem mittleren Management von Partei oder gesellschaftlichen Organisationen hätten das Buch um eine Dimension bereichert, die insbesondere dem Leser im Osten der Republik fehlen wird.

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Ostsee-Zeitung, 15. April 2006:

Warum Politiker einpacken

Quer durch alle Parteien wurden und werden Politiker dabei erwischt, dass sie Gelder veruntreuen, dass sie lügen oder sich bestechen lassen. Die Wissenschaftler Pascal Beucker und Frank Überall haben hinter den Kulissen recherchiert, warum deutsche Politiker freiwillig oder unfreiwillig zurücktreten. Wie sie aufzeigen, geschieht das in den seltensten Fällen aus Überzeugung oder Gewissensgründen. Vielmehr spielen Vorteilsnahme, Verstrickung und Korruption eine wesentliche Rolle in der Kultur der politischen Rücktritte seit 1949.

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Passauer Neue Presse, 29. August 2006:

Gibt es eine Kultur des politischen Rücktritts?

Affären und ihre Konsequenzen - Eine ausgiebige Recherche hinter den Kulissen

Von Johann Osel

Dass sich der römische Staatsmann Sulla 79 v. Chr. überraschend  aus der Politik zurückzog, beschäftigt Althistoriker noch bis heute. Wirft man jedoch einen Blick auf die aktuelle politische Landschaft, scheint der Rücktritt eines Amtsträgers nichts Außergewöhnliches mehr. "Endstation Rücktritt - Warum deutsche Politiker einpacken" beschäftigt sich nun genauer mit diesem Phänomen. Die Autoren des Buches sind Pascal Beucker und Frank Überall, die beginnend mit der Gründung der BRD in den Untiefen des politischen Geschäfts wühlen. Entstanden ist eine schonungslos-objektive Analyse, die besonders durch ihre grandiose Recherche besticht.

Bevor es an die Aufarbeitung konkreter Beispiele geht, beleuchten die Autoren unter anderem die Rolle der Medien, da am Anfang vom Ende vieler politischer Karrieren oft eine kritische Berichterstattung steht. Einen diesbezüglichen "Jagdtrieb" halten Beucker und Überall allerdings für Übertreibung: "Journalisten können einen Politiker nicht stürzen, sondern höchstens die Munition transportieren. Liefern und nutzen müsse diese andere." In ihrem Buch verwandeln die Autoren 50 Jahre Zeitungsschlagzeilen in eine umsichtige Untersuchung und tiefgehende Chronik des Rücktritts. Da wäre zum Beispiel der, wenn auch äußerst seltene, Amtsverzicht aus Überzeugung. Hier wird die FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger angeführt, die 1995 den Großen Lauschangriff ihrer Koalition nicht mittragen wollte und deshalb ihren Posten zur Verfügung stellte. Häufiger ist hingegen die Demission aufgrund von Korruption, Skandalen und Affären. Max Streibl (Amigo-Affäre), Lothar Späth (Luxusreisen), Gregor Gysi (Bonusmeilen), Laurenz Meyer (Nebeneinkünfte), Monika Hohlmeier (Wahlfälschung, "Dossier-Affäre", Missbrauch von Ministeriumsdiensten für Parteiarbeit) - sie alle mussten letzten Endes ihren Hut nehmen und sind nur Teil einer langen Liste. Als Höhepunkt in Sachen Skandal schildern Beucker und Überall ausführlich die Barschel-Affäre bis zum Gerüchte umrankten Tod des CDU-Politikers 1987. Unter dem Titel "Der lange Schatten der Vergangenheit" wird neben dem berühmten Fall vom "furchtbaren Richter" Hans Karl Filbinger auch auf den Verfassungsprofessor Theodor Maunz eingegangen. Noch heute sind dessen Werke Pflichtlektüre jedes Jura-Studenten und das, obwohl Maunz wegen seiner Vergangenheit als NS-Rechtsideologe 1964 als bayerischer Kultusminister zurücktreten musste.

Eine Tabelle am Ende des Buches protokolliert nochmals alle Rücktritte mit Begründungen. Hier stolpert man förmlich über längst vergessene Skandale und altbekannte Namen. Und den einen oder anderen kann man sogar wieder in vorderster Front der politischen Landschaft antreffen.

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Rheinischer Merkur, 20. April 2006:

KARRIEREN / Matthias Platzeck war nicht der Erste: Warum treten Politiker zurück?

Wenn nichts mehr geht

Filbinger, Brandt, Gysi – alle gaben sie die Macht ab. Pascal Beucker und Frank Überall beschreiben die Dramatik des Abgangs und seine tieferen Gründe.

Von Bert Grosse

Das Ende kommt meist plötzlich: Erst kürzlich hat Matthias Platzeck sein Amt als Parteivorsitzender der SPD aufgegeben und somit Fragen aufgeworfen: Wie kommt es dazu, dass Politiker einfach alles hinwerfen? Pascal Beucker und Frank Überall konnten in ihrem neuen Buch auf Platzecks Fall noch nicht eingehen. Trotzdem ist der Band lesenswert. Die Autoren haben sich auf Spurensuche nach den Gründen für Politiker-Rücktritte begeben. Herausgekommen ist eine ganz eigene Reise durch die deutsche Geschichte.

Die Autoren, zwei Journalisten, die schon vor zwei Jahren mit ihrem ersten Buch „Die Beamtenrepublik“ auch jenseits des Deutschen Beamtenbundes für Aufsehen sorgten, haben eine Vielzahl an Gründen ausgemacht, warum gewählte Politiker vor dem Ablauf ihres Mandats von Führungspositionen zurücktreten. Es wird kaum verwundern, dass dies in der Regel nicht freiwillig geschieht.

Meist bilden Gerüchte, Skandale oder persönliches Fehlverhalten die Ursache. Fast immer stehen die Medien am Anfang vom unfreiwilligen Ende einer politischen Karriere. Die Autoren legen Wert darauf, dass Journalisten dabei keine aktive Rolle übernehmen können: „Journalisten können Politiker nicht stürzen, sondern höchstens die Munition für einen Sturz transportieren. Liefern und nutzen müssen die Munition andere. Öffentliche Empörung ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für den Rücktritt eines Politikers. Es müssen noch andere Faktoren hinzukommen, wie Machtverlust in den eigenen Reihen oder ein fatales Krisenmanagement.“

Durch die Medien in die Öffentlichkeit transportiert, von politischen Gegnern und – viel gefährlicher – eigenen Parteifreunden kommentiert, wird massiver Druck auf die Beschuldigten ausgeübt. Dieser stetig wachsenden Belastung lässt sich nach einiger Zeit nicht mehr standhalten. Der Rücktritt erfolgt als Konsequenz spätestens dann, wenn in der veröffentlichten Meinung vom persönlichen Fehlverhalten Einzelner auf korrupte Strukturen in politischen Gliederungen geschlossen wird. Der CDU-Spendenskandal steht dafür als prominentes Beispiel.

Ohne persönliches Verschulden gaben freilich Willy Brandt sowie die Bundesminister Stoltenberg und Seiters ihr Amt auf. Im Fall der „Guillaume-Affäre“ lässt sich sicher auch heute noch darüber streiten, ob Brandt im Amt hätte bleiben können, aber zumindest die Demission von Innenminister Rudolf Seiters nach dem GSG-9-Einsatz gegen den RAF-Terroristen Wolfgang Grams war nicht zwingend geboten.

Erst recht stieß die Entscheidung des damaligen Berliner Wirtschaftssenators Gregor Gysi, sein Amt nach einer verhältnismäßigen Lappalie niederzulegen, auf wenig Verständnis. Gysi hatte Bonusmeilen, die er als Bundestagsabgeordneter erworben hatte, privat genutzt. In allen genannten Fällen gab es neben dem Anlass des Rücktritts tiefere Gründe: so etwa Gysis Frust über seinen Berliner Job. Oder Herbert Wehner, der Brandt von der Macht drängte und die Guillaume-Affäre als Druckmittel nutzte.

Die Verquickung von Amt und Privatinteressen ist der häufigste Grund für den Rücktritt. Die „Cleverles“ (Lothar Späth), Amigos (Max Streibl) oder Genießer (Gerhard Glogowski) nehmen dementsprechend auch den größten Raum in der Darstellung ein. Beucker und Überall bestreiten die generelle Gier von Politikern, allerdings seien diese auch größeren Versuchungen ausgesetzt. Wer über politischen Einfluss verfügt, hat viele (wohlhabende) Freunde.

Deutlich schwieriger wird es, wenn kriminelle Machenschaften im Spiel sind – „Waterkantgate“ wurde diesbezüglich zum Paradebeispiel in der Geschichte der Bundesrepublik. Bespitzelung, gezielte Desinformation und Verleumdung hatte sich der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel gegen seinen sozialdemokratischen Herausforderer Björn Engholm im Landtagswahlkampf zuschulden kommen lassen.

Einen Schwerpunkt des Buches bilden Rücktritte wegen Verfehlungen in der Vergangenheit. Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsidenten Hans Filbingers oder der Verfassungsrechtler Theodor Maunz sind prominente Beispiele. Auch die Stasi-Verstrickungen ostdeutscher Verantwortungsträger werden kritisch beleuchtet. Ibrahim Böhme, Gerhard Riege oder auch Lothar de Maizière sind heute zwar fast vergessen – die Autoren zeigen am Beispiel des letzten DDR-Ministerpräsidenten ausführlich, wie besonders in den eigenen Reihen mit gezielten Denunziationen Stimmung gemacht wurde.

Die Menge an kriminell intendierten Rücktritten zeigt, dass ein kritischer Blick auf unsere politischen Mandatsträger nötig ist. Die beiden Autoren beziehen in ihre Kritik erfreulicherweise auch die eigene Zunft angemessen ein. Nicht selten wird die öffentliche Meinung durch journalistische Halbwahrheiten beeinflusst, ohne dass die Betroffenen die Chance zur Reputation haben. Die etwas andere Chronik der Bundesrepublik ist daher uneingeschränkt zu empfehlen.

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Schweriner Volkszeitung, 18. April 2006:

Endliche Karrieren

Von A wie Konrad Adenauer bis Z wie Friedrich Zimmermann - das Buch analysiert das Ende von Politikerkarrieren und liest sich wie ein Who is Who der deutschen Nachkriegsgeschichte. Eingeleitet mit einer "Kleinen Phänomenologie des Rücktritts", danach folgen zahlreiche Beispiele. Rücktritte schildern die Autoren in Kurzporträts, angedrohte und erzwungene, mit und ohne Comeback. Noch interessanter wäre das Buch geworden, wenn es Fotos enthielte.

 

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Segeberger Zeitung, 11. März 2006:

Warum treten Politiker zurück? Was lösen sie damit aus? Gibt es noch Rücktritt aus Überzeugung? Fragen, denen Pascal Beucker und Frank Überall in ihrem gerade erschienenen Buch "Endstation Rücktritt" nachgehen. Ein fundierter Überblick über die Geschichte des Rücktritts in der Bundesrepublik. - klk

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Stadt-Revue - Kölnmagazin, Mai 2006:

Und Tschüss

Mit „Endstation Rücktritt“ schreiben Pascal Beucker und Frank Überall eine politische Sittengeschichte

Von Christian Gast

Nicht immer sind Politskandale für das gemeine Wahlvolk so amüsant wie im Fall des baden-württembergischen Staatsministers Christoph Palmer: Der CDU-Mann hatte im Jahr 2004 auf einem Empfang einen parteiinternen Opponenten zunächst als »Drecksau« beschimpft und anschließend geohrfeigt. Politiker sind eben auch nur Menschen. Als Konsequenz trat er am nächsten Tag zurück. Dies ist nur eine kleine Episode im neuen Buch der Kölner Journalisten Pascal Beucker und Frank Überall „Endstation Rücktritt. Warum deutsche Politiker einpacken“. Sie zeichnen die vielfältigen Motive nach, welche Politiker zur Amtsaufgabe bewegen.

Kenntnisreich reiten die beiden auf dreihundert Seiten quer durch die nachkriegsdeutsche Skandalgeschichte. Von den Ausnahmen des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann, der Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger oder der „Lichtgestalt“ Willy Brandt abgesehen, die aus politischer Überzeugung zurücktraten oder Verantwortung für die Verfehlungen anderer übernahmen, beschreibt das Buch den Regelfall des Rücktritts: aufgrund eigenen Verschuldens.

Begonnen wird mit einer „kleinen Phänomenologie des Rücktritts“, welche gegenüber dem Hauptteil wenig analytischen Mehrwert bietet und sich bei der Beschreibung der Ursachen, der Rolle von Umfeld, politischer Opposition und Medien größtenteils in der Aufzählung von Allgemeinplätzen erschöpft. Quintessenz ist dabei die (ebenfalls nicht neue) Erkenntnis, dass sich ein Politiker mit einer soliden Machtbasis im Hintergrund im privaten wie politischen Leben einiges erlauben kann: „Così fan tutte“ - so machen es doch alle.

Ist diese Machtbasis allerdings nicht vorhanden oder beginnt sie zu bröckeln, weil der Schaden für die Gesamtpartei den Nutzen des einzelnen Parteimitglieds übersteigt, muss zurückgetreten werden. So überstand der „brutalstmögliche“ und doch nicht ganz saubere Aufklärer Roland Koch den Spendenskandal der Hessen-CDU als Ministerpräsident nur, weil Partei und Koalitionspartner fest hinter ihm standen. Der bereits zweite Rücktritt in der Karriere Jürgen Möllemanns im Jahre 2002 war im Sinne dieser Logik darin begründet, dass der Schaden für die FDP aufgrund des von Möllemann initiierten und finanzierten antisemitischen Flyers nur durch diese personelle Konsequenz abgewendet werden konnte. Für politisch interessierte Leser und Leserinnen bietet das Buch kurzweilige Unterhaltung, ohne jedoch bei der Beschreibung der einzelnen Skandale wirklich neue Erkenntnisse zu vermitteln. 

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Süddeutsche Zeitung, 15. April 2006:

Zurück ins Glied!
Die - alles andere als seltenen - Rücktritte deutscher Politiker

Von Cord Aschenbrenner

Wenn im englischen Sprachraum ein Politiker sein Amt aufgibt, erscheint in den Schlagzeilen das Verbum "to step down". Herabsteigen klingt ein wenig endgültiger und vielleicht auch demütiger als das deutsche "Zurücktreten", dem etwas Militärisches ("Zurück ins Glied!") anhaftet. Der Schritt nach unten, von der Bühne wieder in den Zuschauerraum, vom Rednerpult aufs Linoleum, trifft es besser. Und gleichzeitig lässt sich damit der Fall assoziieren, der, dem Schritt nach unten folgen kam. Man muss sich nur des britischen Heeresministers John Profumo erinnern, der 1963 nach seinem Rücktritt wegen einer Liaison mit einem Callgirl ? ein sowjetischer Geheimdienstler spielte auch noch eine Rolle ? in selbst auferlegter Buße Sozialarbeit unter den Armen Londons verrichtete.

Vergleichsweise nüchtern ging es bei den Rücktritten in der alten Bundesrepublik zu. Und auch in der neuen spielt oft eine eher überzogene Neigung zu Geld und Gut im Amt oder Unfähigkeit oder beides eine Rolle beim unfreiwilligen Abtritt, wie Pascal Beucker und Frank Überall zeigen. Sie haben die Rücktritte deutscher Politiker nach Beweggründen und unabweisbaren Zwängen geordnet und sogar gezählt und kommen - bei 90 Demissionen seit 1949 allein in den Bundesregierungen - zum Schluss, dass "der Rücktritt in der politischen Kultur der Bundesrepublik ein ausgesprochen verbreitetes Phänomen" ist. Das ist zwar eine Erkenntnis, jedoch besitzt sie nur geringen Wert, denn Rückschlüsse etwa auf die Stabilität des politischen Systems lassen sich daraus nicht ziehen.

Man betrachte nur das dritte und vierte Kabinett Kohl: Jeweils zwölf Minister traten während der beiden Amtsperioden zurück. Nur die dritte Regierung Helmut Schmidts konnte da mit immerhin zehn Rücktritten mithalten, und das während ihrer nur zweijährigen Amtszeit von 1980 bis 1982. Jedoch ist die Aussagekraft der Zahlen begrenzt. Der massenhafte Rücktritt der Schmidt'schen Minister etwa erklärt sich zum Teil durch den Bruch der sozialliberalen Koalition, in anderen Kabinetten zum Beispiel durch den Wechsel in andere Ämter, also "durch keinen substanziellen Rücktrittsgrund mit politischer Auswirkung", wie die Autoren selbst schreiben. So mag sich, wer Freude an Zahlen hat, die Liste der Demissionen auf Seite 70 ansehen. Sie besagt nicht viel.

Interessanter wird es, wenn die Autoren zurückblicken auf spektakuläre Rücktrittsumstände. Da gab es Politiker, die aufgaben, weil sie die weitere Ausübung ihres Amtes nicht mehr ruft ihrem Gewissen und ihrem Amtseid oder beidem vereinbaren konnten wie die Minister Gustav Heinemann und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Oder weil die öffentliche Empörung zu stark war, als dass ein Mann wie der reuelose ehemalige Marinerichter Hans Filbinger länger hätte Ministerpräsident bleiben können. Diese Beispiele zeigen, dass es durchaus so etwas wie eine Kultur des (manchmal erzwungenen) politischen Rücktritts gibt, nach der Beucker und Überall in der Einleitung des Buches fragen.

Beucker und Überall schwebte ein "Sittengemälde der politischen Landschaft" vor, exemplifiziert an ausgewählten Rücktritten. Dafür bleibt ihr Buch jedoch zu sehr an der Oberfläche, sind sie zu wenig an den tieferen Gründen des Scheiterns interessiert und ihre Auswahl von rund 40 Darstellern, die sich vor allem in den vergangenen 20 Jahren tummeln, zeigt allenfalls die wiederkehrenden Unsitten im politischen Leben. Eine Sammlung von meistens interessanten Fällen ist den Verfassern aber gelungen. Wer wissen möchte, wie es noch mal war mit dem Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger und seiner Rede zum 9. November 1938, die ihn 1988 das Amt kostete (und nicht ihm; leider haben die Autoren ein nicht immer spannungsfreies Verhältnis zur deutschen Sprache) oder was es mit dem Rücktritt der bayerischen Kultusministerin Monika Hohlmeier auf sich hatte, der kann zu diesem Buch greifen.

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Südkurier, 29. März 2006:

Die Einpacker

Gründe für den Rücktritt eines Politikers gibt es wie Sand am Meer: Zwei kräftige Ohrfeigen (Palmer, schneller Abgang mit Reue), schmutzige Tricks gegen den Gegner (Barschel, schneller Abgang ohne Reue), Wut auf den Kanzler (Lafontaine), Pressezensur (Strauß). Steuerhinterziehung (Lambsdorff), Telefonsex im (bayerischen) Landtag (Wallner). Todesurteile (Filbinger) oder Amigos (Späth und Streibl). Mancher Rücktritt erfolgt aus Überzeugung, bei den meisten jedoch muss nachgeholfen werden. Manchmal zittert der Boden der Republik, manchmal wird ein Abgang nur als Fußnote verbucht. Doch immer steht die hohe moralische Frage von Fehl und Tadel, von Vorbild und Versagen im Raum. Die Geschichte der Rücktritte kann auch als eine Geschichte der Rücktritte geschrieben werden. Das haben die Journalisten Pascal Beucker und Frank Überall auf überzeugende Weise getan und dabei gezeigt, dass die Demission eines Mandatsträgers ein politisches Korrektiv ist, dass in der Verfassung zwar nicht vorgesehen aber unabdingbar für den Fortbestand unserer Demokratie ist. Und am Rande erfährt der Leser auch, dass ein Rücktritt nicht immer das Ende einer Karriere bedeuten muss, sondern auch der Anfang einer neuen - womöglich größeren - sein kann.
- mic

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taz, 16. Februar 2006:

In einer spannenden Sittengeschichte der bundesdeutschen Politik beschreiben taz-Korrespondent Pascal Beucker und taz-Autor Frank Überall, warum Politiker zurücktreten oder zurückgetreten werden und was Parteifreunde, Medien und Opposition dazu beitragen. Mit "Endstation Rücktritt" legen die Autoren die erste umfassende Bestandsaufnahme zur Kultur und Geschichte politischer Rücktritte seit Gründung der Bundesrepublik 1949 bis heute vor.

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UZ - Unsere Zeit, 23. Juni 2006:

Sittengemälde der politischen Landschaft

Rücktritte in der deutschen Politik

Von Helga Humbach

Sittengemälde der politischen Landschaft Rücktritte in der deutschen Politik Was haben Willy Brandt, Lothar Späth, Monika Hohlmeier und Oskar Lafontaine gemeinsam? Außer, dass sie politische Karrieren gemacht haben, sind auch alle einmal von ihren Ämtern zurückgetreten - mehr oder weniger freiwillig, und aus unterschiedlichen Gründen.

Die Kölner Journalisten Pascal Beucker und Frank Überall sind der Frage nachgegangen, "warum deutsche Politiker einpacken". Akribisch untersuchten sie fast hundert Rücktritte von Politikern aus Bundes- oder Länderregierungen und Ministerämtern zwischen 1950 und 2005 - der Fall Platzeck passierte kurz nach Drucklegung des Buches. Die Gründe für die Rücktritte waren so unterschiedlich wie die Menschen, die sie erklärten - von Gustav Heinemann, der 1950 die Remilitarisierung der Bundesrepublik nicht mittragen wollte, über Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier, der in den Verdacht geriet, "Spezis" Vorteile verschafft zu haben, bis zur Strauß-Tochter Monika Hohlmeier, der (Partei-)Wahlfälschungen zum Verhängnis wurden. Die Beispiele zeigen aber auch, dass nicht jeder aufgedeckte Skandal zu Rücktritten führt: Helmut Kohl, Franz Josef Strauß oder Roland Koch schafften es, viele Schlagzeilen und öffentliche Empörung "auszusitzen". Und: Rücktritte sind nicht immer auch ein endgültiger Abschied von der Macht. Prominentestes Beispiel: Gustav Heinemann, der 16 Jahre nach seinem Rücktritt als Innenminister Bundesjustizminister und zwei Jahre später Bundespräsident wurde.

Beucker und Überall befassen sich ausführlich mit mehr oder weniger spektakulären Rücktritten, erzählen aber vor allem auch die "Geschichten dahinter". Wer steckt hinter den Politikern im Rampenlicht? Welche Interessen werden verfolgt? Dabei ist den Autoren zu danken, dass sie auch Fälle wieder ins Licht rücken, die den meisten ihrer Generation - den heute Dreißig- bis Vierzigjährigen gar nicht oder höchstens legendenhaft bekannt sind: Menschen, die trotz eindeutiger Nazi-Vergangenheit in der Bundesrepublik wieder in höchste Ämter gelangten: Leute wie Filbinger oder der heute noch hoch gelobte Verfassungsprofessor Theodor Maunz. Erzählt werden die Geschichten von Politikern mit "Nehmerqualitäten", von solchen, die ihr Amt als Freibrief für sexuelle Übergriffe betrachten, von Geschäftemachern und auch ein paar "Aufrechten", die zurücktraten, weil sie die Verantwortung für eine bestimmte Politik nicht mehr übernehmen oder mittragen wollten.

So entstand ein ebenso informatives wie spannend zu lesendes "Sittengemälde der politischen Landschaft" der Bundesrepublik, ein Nachschlagewerk der politischen (Un-)Kultur in diesem Lande. Doch bei aller Aufklärung, bei noch so viel "Enthüllungen" - die Autoren warnen vor Illusionen: " Die Demission eines Politikers ist noch kein Korrektiv für falsche Entwicklungen. Gleichwohl markieren Demissionen Veränderungen im gesellschaftlichen Bewusstsein und im Machtgefüge einer Partei. Nicht mehr, aber auch nicht weniger."

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WDR 5 - Morgenecho, 21. Februar 2006:

(...) Politiker treffen Fehlentscheidungen, sie lügen, sie veruntreuen Gelder, und das häuft sich. Eher selten ziehen die schwarzen Schafe unter den Mandatsträgern die Konsequenzen und legen ihr Amt nieder. Oder sie tun das erst dann, wenn kein Weg mehr daran vorbei führt. Die Journalisten Pascal Beucker und Frank Überall geben in ihrem Buch „Endstation Rücktritt“ einen fundierten und immer wieder auch unterhaltsamen Überblick über Rücktritte deutscher Politiker. (...)

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WDR-PRINT, Juni 2006:

Buchtipp: Endstation Rücktritt

Ein politisches Korrektiv unter der Lupe: der Rücktritt. Der WDR-Journalist Frank Überall und der taz-Korrespondent Pascal Beucker fragen in ihrem Buch "Endstation Rücktritt", warum Politiker einpacken. Dafür haben die beiden Autoren unter den zahlreichen Demissionen, die die deutsche Politik zu bieten hat, recherchiert und geben einen fundierten und unterhaltsamen Überblick. Eingeordnet in verschiedene Kategorien, begegnen Leserinnen und Leser freiwilligen wie unfreiwilligen Rücktritten sowie ihren Ursachen und Hintergründen.

Der Schwerpunkt liegt überwiegend auf den großen "spektakulären" Abschieden, wie zum Beispiel denen von Willy Brandt, Hans Filbinger, Lothar Späth ("Das Cleverle und die schönen Urlaubsreisen") und natürlich auch von Jürgen Möllemann, um nur einige zu nennen.

Frank Überall arbeitet als freier Journalist u.a. für WDR, ARD und dpa, Pascal Beucker ist NRW-Korrespondent der Berliner "tageszeitung" (taz). Sie analysieren ein politisches Korrektiv, das unabdingbar ist für unsere Demokratie und gehen der Frage nach, ob es eine Kultur des politischen Rücktritts gibt.

Außerdem räumen die Autoren mit dem beliebten Vorwurf auf, wer zurücktrete, stehle sich aus der Verantwortung. Sie sagen: Gerade jene Politiker stellten sich ihrer Verantwortung, weil sie Konsequenzen zögen und andernfalls etwas vertreten müssten, was gegen ihre Überzeugung spreche. - kp

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Die Welt, 11. März 2006:

Die Idee ist so gut wie naheliegend: eine Geschichte der Bundesrepublik in Demissionen. Die Journalisten Beucker und Überall wagen sich an eine "Phänomenologie des Rücktritts" und fördern aus den Zeitungsarchiven erstaunliche Anekdoten - vom aufrechten Gustav Heinemann bis zum rechtskräftig verurteilten Jochen Wolf. Für jeden an Zeitgeschichte interessierten Leser bietet der Band eine Reihe von Déjà-vus, wenn auch mit manchmal einseitigen Wertungen.

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www.einseitig.info, 03. März 2006:

Der Rücktritt jenseits der Tagespresse

Von Nikolai Wojtko  

Jeder Politiker, der ein öffentliches Amt bekleidet, wird es irgendwann wieder abgeben müssen. Diese Feststellung ist so alltäglich wie trivial, wenn nicht, ja wenn es sie nicht gäbe, die Politiker und deren Rücktritte.

Eigentlich könnte alles so einfach sein: ein Politiker, der sich einen Fehltritt erlaubt hat, entschuldigt sich und gibt sein Amt auf. So einfach ist es aber nicht, zumal nicht in der Politik. Denn schließlich wird auf diesem Gebiet nicht nur über Inhalte gestritten, sondern auch um Posten, Ämter, Prestige und Macht. Da kann es vorkommen, dass man zwar Fehltritte unternimmt, allerdings nicht im Geringsten bereit ist, deshalb irgendwelche politischen Konsequenzen zu ziehen.

Manchmal muss ein solcher Politiker dann doch gehen, wenn er bemerkt, dass selbst seine Parteikollegen ihn nicht mehr zu stützen vermögen. Allerdings gibt es auch den Rücktritt auf Grund politischer Überzeugungen: man tritt von seinem Amt zurück, da man eine Entscheidung nicht vertreten kann und betreibt an anderer Stelle seine Politik weiter. Man kann sogar ohne eine Erklärung zurücktreten, um sich auf sein Comeback in aller Ruhe und zu neuen Konditionen vorzubereiten. Die Liste der Politiker, die in der Geschichte der Bundesrepublik zurückgetreten sind, ist so lang wie facettenreich. Es gab handfeste Skandale, einige Korruptionsaffären, viele Politiker stürzten über ihre Nehmerqualitäten, andere, weil sie der Öffentlichkeit zu viel verschwiegen hatten.

Die beiden Kölner Journalisten Pascal Beucker und Frank Überall haben nun die Aufgabe übernommen, zum ersten Mal die Geschichte der Rücktritte systematisch zusammenzutragen. Hierbei fallen nicht nur teilweise vergessene Namen wieder ins Auge, jeder Fall und jede einzelne Kategorie der Rücktrittsarten wird kenntnisreich beschrieben und in ihrem Kontext aufgearbeitet. So erhält man ein umfangreiches Kompendium der Geschichte der Rücktritte und zugleich eine Kulturgeschichte der deutschen Politik vom Rücktritt aus erzählt.

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www.polizei-newsletter.de, 28. März 2006:

Endstation Rücktritt?

Von Thomas Feltes  

Pascal Beucker, Korrespondent der taz, und Frank Überall, der als freier Journalist u.a. für den WDR und dpa arbeitet, haben hinter den Kulissen recherchiert. In ihrer spannenden Sittengeschichte der bundesdeutschen Politik schildert sie, warum Politiker zurücktreten oder „zurückgetreten werden” und was Parteifreunde, Medien oder die Opposition dazu beitragen.

Die Autoren ordnen die Politiker, deren Rücktritte in dem Buch thematisiert werden, verschiedenen Kategorien zu: Die Aufrechten, die aus Überzeugung zurücktreten, sind in der Minderheit (Bsp.: Gustav Heinemann, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Oskar Lafontaine); es folgen „Rücktritte nach dem Versagen anderer“ (z.B. Willy Brandt, Gerhard Stoltenberg) sowie (und dies ist sicher nicht zufällig die längste Liste) Rücktritte wegen (so die Autoren) „guter Nehmerqualitäten“ - gemeint sind damit mehr oder weniger legale Nebeneinnahmen oder gar Bestechungen (Späth, Max Streibl, Gregor Gysi, Laurenz Meier u.a.). Eher amüsant, wenn auch von den Autoren durchaus angemessen kritisch gewürdigt, ist das Kapitel zu den "begehrenden Politikern", wo es um z.B. Seitensprünge und Telefonsex im Landtag geht.

Was auf den ersten Blick wie eine Sammlung von eher beliebigen Einzelfällen aussieht, wirft ein teilweise erschreckendes Licht auf unser politisches System. Es ist den Autoren hoch anzurechnen, dass sie mit diesem Buch die (zumeist bekannten) Fälle neu zusammengestellt, interpretiert und in den Kontext unserer politischen Kultur gestellt haben.

Die tabellarische Übersicht der Rücktritte (Auswahl) auf Bundes- und Landesebene im Anhang des Buches ist nicht nur für Politologie-Studierende von Interesse; die Menge allein macht deutlich, dass der Rücktritt keineswegs so selten ist, wie man vielleicht annimmt. Ob es zu viele oder zu wenige Rücktritte waren, muss der Leser nach der Lektüre des Buches selbst entscheiden.

Jedenfalls lohnt es sich, in dieser ersten und umfassenden Bestandsaufnahme zur Geschichte und Kultur politischer Rücktritte von 1949 bis heute zu lesen. Spannend lesen sich die einzelnen Schicksale und deren Hintergründe allemal, und politisch bildend sind die Analysen der Autoren.

Lediglich der Titel des Buches hätte vielleicht anders gefasst werden sollen: Es fehlt das „?“ hinter „Endstation Rücktritt“. Denn für viele Politiker, und auch das zeigt das Buch, ist der Rücktritt keine Endstation, sondern ein Neuanfang oder nur eine Umleitung gewesen. Standfeste überleben auch Rücktritte. Ob dies gut oder schlecht ist, kann man unterschiedlich sehen.

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Zeitschrift für Politikwissenschaft, April 2007: 

Wer als Politiker zurücktritt "hinterlässt damit Spuren: politische, aber auch persönliche und gesellschaftliche" (16), die die beiden Journalisten analysieren. Sie stellen die vielfältigen Facetten der Demission vom politischen Amt dar und bieten somit nicht nur eine Geschichte der Rücktritte in der Bundesrepublik, sondern zeichnen zugleich "ein Sittengemälde der politischen Landschaft (17). Beucker und Überall fragen, ob sich gar von einer Kultur des politischen Rücktritts sprechen lässt und beschreiben die Gründe des Scheiterns von rund 40 Politikern. Diese ordnen sie unterschiedlichen Kategorien zu: "Die Aufrechten" (83), die aus Überzeugung zurücktreten, sind in der Minderheit. Als Beispiele werden Gustav Heinemann oder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger angeführt. Zu den "Verantwortlichen" (112), die nach dem Versagen anderer zurücktreten, zählen Beucker und Überall Willy Brandt sowie Gerhard Stoltenberg. Als "Sünderlein" werden die bezeichnet, die wegen zu "guter Nehmerqualitäten" (128) ihr Amt aufgeben. Damit sind mehr oder weniger legale Nebeneinnahmen oder gar Bestechungen gemeint, genannt werden etwa Lothar Späth, Max Streibl, Gregor Gysi, Laurenz Meier und viele andere. Außerdem sprechen die Autoren von den "Skandalösen", bei denen "mit dem Rücktritt noch nicht alles erledigt ist" (89), wie im Falle Jürgen Möllemann, sowie von denen, die im "langen Schatten der Vergangenheit" (233) stehen, wie Hans Filbinger und Philipp Jenninger. In einem weiteren Kapitel spricht das Autorenduo von "begehrenden Politikern" (271), die z.B. aufgrund von Seitensprüngen oder Telefonsex im Landtag gescheitert sind. Abgerundet wird der detailreiche Band durch eine tabellarische Übersicht von Ministerrücktritten in Bund und Ländern samt ihrer Gründe. - STE

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